Montag, 29. September 2014

say hello - Teil I

 Wir sind Mama.
Von ein paar süßen Flauschbällchen.
Zum ersten Mal.





Eine unserer Hennen wollte unbedingt Mutter werden.

Das wollte sie schon im letzten Spätsommer.
Ganze acht Wochen saß sie beharrlich in einem der Legenester, das sie zum Nistplatz auserkoren hatte
und ließ sich durch nichts und niemanden davon abhalten, 
ihre oder die Eier der anderen ausbrüten zu wollen.

Da es schon spät im Jahr war, 
und wir noch keine Erfahrung damit hatten, Hühner durch den Winter zu bringen,
versagten wir unserer Glucke diesen Wunsch und legten ihr keine befruchteten Eier unter.
Ich hob sie, wie empfohlen, geduldig mehrmals täglich aus dem Legenest,
setzte sie in die Wiese zu den anderen
und ebenso geduldig setzte sie sich nach einem Pick hier und da und einem Sandbad 
wieder auf ihr Legenest.
Eines Tages gab sie es dann schließlich doch auf
und ich nahm mir vor, sie im nächsten Jahr brüten zu lassen, sollte sie wieder gluckig werden.
Sie war noch jung und ich nahm an, sie würde im Frühjahr wieder sitzen wollen.

Wollte sie aber nicht.
Auch nicht im Spätfrühling oder Frühsommer.
Nein, wieder tickte ihre innere Uhr erst vor sechs Wochen, Ende August.
Als Nistplatz hatte sie sich das Lieblingslegenest unserer Schar auserkoren
und ließ auch niemanden mehr zu sich hinein.
Unsere Legehennen waren empört.




Um sicher zu gehen, ob sie auch wirklich fest sitzen würde, 
legte ich ihr einen eigroßen Kieselstein unter, den sie hingebungsvoll mehrere Tage bebrütete. 

Auf diese Weise ermutigt begann ich, eine Brutkiste zu bauen.
Ich polsterte liebevoll eine wunderschöne Obstkiste mit Sägespänen und Stroh aus
legte ihr Kieselstein-Ei hinein, setze sie darauf und sah sie erwartungsfroh an.

Sie blickte mir direkt in die Augen, gluckste empört,
stand auf und marschierte unter ein paar weiteren Glucksern 
schnurstracks auf das Legenest zurück.




Ich versuchte es mit verschiedenen Formaten, stellte die Kisten höher, legte sie tiefer,
baute sie höhlenartig, ließ sie offen, polsterte den Boden dick oder dünn, 
bildete das Legenest fast maßstabsgetreu nach...
Alles wurde rundheraus abgelehnt.

Ich nahm eine flache Plastikwanne, versuchte es mit mehreren Kartons,
fast hätte ich ihr das Poster eines flotten Hahns übers "Bett" gehängt -
nichts war genehm.
Als ich ihr dann schlußendlich eine letzte Kiste mit den Worten
"das ist jetzt wirklich deine finale Chance, meine Liebe"
vorlegte, sie hineinsetzte und ging,
nahm sie mich wohl beim Wort und blieb sitzen.



 Da wir keinen Hahn hatten, begann ich mit der Suche nach Bruteiern.

Ein benachbarter Bauer hält mehrere Stämme von niedlichen Zwerg-Cochins
bei dem ich mir vier oder fünf Eier holen wollte. 
Leider saßen gerade alle Glucken selbst oder die Hähne waren zeitweise ausquartiert.
Er versprach aber, mir Bruteier eines Freundes zu besorgen.
Ich informierte mich inzwischen über Schlupfraten, Transport der Eier, die "Gluckenpflege"
 und die eventuelle Kükenaufzucht, sollte die Glucke vorzeitig aufstehen.
Eine Woche später erfuhr ich, 
dass leider der Marder bei ebendiesem Freund ganze Arbeit geleistet hatte.
Doch ich bekam den Tipp, mich im Internet nach Bruteiern umzusehen, 
da es dort alle möglichen Rassen und Größen gäbe.

Durch die Wartezeit hatte ich aber leider keine Zeit mehr, mir Bruteier schicken zu lassen, 
obwohl es Eier ganz entzückender Rassen gab, 
da sich ihre Ankunft via Post mit unserer Abfahrt in den Urlaub überschneiden würde.
Und ich konnte unserer Hühnersitterin unmöglich das Unterlegen der Eier 
unter eine durch fremde Hand empörte Glucke zumuten.

Es sah also so aus, als würde es auch in diesem Jahr keine Küken geben können.




Es ergab sich aber, dass wir am Wochenende dieses ganzen Hin- und Her
 zur Mittagszeit noch einmal wegfahren mussten 
und mein Mann den Einfall hatte, 
einfach einige Höfe oder Häuser mit Hühnern im Garten auf dem Heimweg anzufahren 
und ins Blaue hinein nach befruchteten Eiern zu fragen.
Ich muss gestehen, ich kam mir ziemlich leicht blöd vor, 
einfach zur Mittagszeit bei wildfremden Leuten aufzuwarten.

So wurden wir denn auch alsbald misstrauisch beäugt,
als wir an der ersten Tür klingelten. 
Ich nehme an, wir gaben auch nicht gerade ein vertrauenerweckendes Bild ab:
Mein Mann in staubiger Schreiner- und ich in verdreckter Outdoorkleidung, 
da ich kurz zuvor mit dem Hund so richtig durch Wald und Wiesen...

 "Entschuldigung. Wir stören hoffentlich nicht gerade beim Essen?"
Der misstrauische Herr: "Nein, aber beim Arbeiten."
Wir: "Dann machen wir es kurz. Sind das ihre Hühner da draußen?"
Der Herr: "Ja..."
Ich: "Weil, das ist nämlich so..."
und ich erzählte meinen ganzen Leidensweg mit der Glucke, die Kinder haben möchte, 
unserer Unmöglichkeit, Eier aufzutreiben und dem Gedanken, 
hier und jetzt einfach rechtschaffene Leute zu überfallen und von ihnen Eier zu erbitten.

 Ich muss das sehr schön gemacht haben, 
denn noch während ich sprach, hellte sich das Gesicht des Mannes mehr und mehr auf 
und voll Stolz zeigte er uns am Ende meiner Erzählung seine Hennen samt prächtigem Hahn.
 Er gab uns sogleich zwei Eier mit und versprach uns bis zum Abend noch weitere.





 Ich könnte noch ewig so weitererzählen, 
doch dieser Post ist ohnehin so lang, dass ich ihn schon teilen muss 
und ich auch gar nicht sicher bin, ob wirklich jeder bis hierher durchgehalten hat?

Fakt ist, dass wir von unserem neuen Hühnerfreund in zwei Tagen 
(eingedenk einer vorhergesagten Schlupfrate von 40-60%) neun Eier bekommen hatten, 
die wir unserer Glucke unterlegen konnten.
Sie schien sehr zufrieden mit uns und plusterte sich glücklich in ihrem Nest auf.

Mit etwas Glück sollten wir 21 Tagen 4-5 Küken haben.


Soweit heute von mir, sonst wird es zu lang.
Bleiben Sie dran, wenn es wieder heißt:
"Küken im Hause epipa - oder was man von Schlupfraten halten soll"
Alles Liebe!


PS: Die Eier haben deshalb Kreuzchen, 
damit man eventuell frisch hineingelegte Eier unterscheiden kann, die ohne Hahn unbefruchtet wären.

EDIT:
Hier gehts zu Teil II und Teil III

Samstag, 20. September 2014

O´zapft is! - Wiesn-Guide und Oktoberfest für Zuhause - Teil I


Heid werds boarisch.
Heute wird es bayrisch.

Unser Häuschen steht im tiefsten Oberbayern, mit Blick auf die Berge.
Im Dorf blüht das bayrische Brauchtum mit Trachtenverein, 
Blasmusi, Stubnmusi, Goaßlschnalzern und vielem mehr.
Es gibt jährlich ein Bierzelt mit kleinem Volksfest, Kinderkarussel und Schiffschaukel
und auch der Maibaum wird feierlich alle paar Jahre aufgestellt.
Zu solchen und anderen festlichen Anlässen wird bei uns sehr gerne Tracht getragen.
Natürlich hängen deshalb auch in unserem Kleiderschrank
Dirndl, Lederhosen, Pfoard-Hemden und diverse Janker.
Diese sind zum Teil von mir oder noch von der Oma handgestrickt.

Ein Pfortl (Pfoard-Hemd) ist ein meist weißes Leinen- oder Baumwollhemd 
zum hinein schlüpfen, mit Biesen und Stehkragen und einem Riegel, 
der mit den Initialen des Träges bestickt werden kann.
Das Sticken übernimmt die Oma, die Mutter, die Ehefrau, die Freundin und manchmal die Maschine.
Aber ganz ehrlich, am Schönsten ist es immer noch von Hand.
Das Hemd meines Mannes bestickte ich bereits vor Jahren.

In diesem Jahr bekam er ein neues Hemd.
Diesmal bestickte ich es ihm für ein Kapitel des Oktoberfest-Guides





Alles, was man vor und nach und rund um das Oktoberfest wissen muss,
steht in diesem Buch.
 Was gehört ins Wiesn-Tascherl, wie häkelt man es selbst,
welche Flechtfrisur trägt die Dame und welche Kopfbedeckung der Herr,
auf welche Seite bindet SIE die Schleife der Schürze, damit ER Bescheid weiß,
wie erkennt man seinen Maßkrug wieder,
wohin geht man mit Kindern, wo gibts was für kleines Geld und vieles mehr.
Haarschmuck, Make-Up, Strick- und Häkelanleitungen fürs Gewand und viele kleine Accessoires - 
alles wird mit viel Charme und Liebe zum Oktoberfest erklärt.
Wer jetzt noch keine Ahnung von der Wiesn hat, 
ist nach der Lektüre in der Theorie gut gerüstet.

Für die Praxis habe ich in dem Kapitel "Gschickt bstickt" (=geschickt bestickt) 
meinen Teil dazu beigetragen, 
den Herrn in Lederhose schöner zu machen.

Darum schnell losgestickt - und hinein ins Getümmel.




Wer -aus welchen Gründen auch immer- nicht zur Wiesn kommen kann,
der muss nicht verzweifeln.
"Ich hab da schon was vorbereitet."
 
Für den ersten Teil unseres kulinarischen Oktoberfestes habe ich meinen Mann gebeten, 
mir eine Brotzeit herzurichten. 

Er ist bekannt für seine großen und kleinen Brotzeit-Platten.
Egal, wieviel oder wenig im Haus ist,
irgendetwas findet er immer, um für uns oder Gäste eine Brotzeit daraus zu zaubern.
Gern auch noch spätabends, wenn wir länger beisammen sitzen.





Eine kleine bayrische Brotzeit, 
bei der man nichts falsch machen kann, bereitest du wie folgt.


Du nimmst:

Brezn, Semmeln oder Brot (= Bezeln, Brötchen...)
Emmentaler am Stück
Käse in Scheiben, z. B. Bergkäse, gewürzten Butterkäse
Greicherts (= geräucherten Schinken) in Scheiben oder am Stück
Salz, Pfeffer, Paprika
Schnittlauch





Den Emmentaler würfeln und mit Salz, Pfeffer und etwas Paprika bestreuen.
Den geschnittenen Schinken hübsch anrichten.
Ist er im Stück, feine Scheiben herausschneiden oder würfeln.
Den Käse mit Schnittlauchröllchen bestreuen und die Breze dazu reichen.
Man kann auch in Scheiben geschnittene Semmeln oder Brot
mit Butter anrichten.

Dazu gehört ein Weißbier.




Für eine schöne Schaumkrone ist es wichtig, es richtig einzuschenken:

Dazu das Glas leicht schräg halten und das Bier langsam, nicht zu schnell, einschenken.
Einen kleinen Rest in der Flasche zurückbehalten,
die Flasche schwenken, um die Hefe vom Boden zu lösen und ins Glas gießen.




Diese kleine Brotzeit reicht eigentlich schon aus.

Wenn du es opulenter magst, kannst du zusätzlich Essiggurken, gekochte Eier, Radi (=Rettich),
Radieschen und Obazda (=eine Käsespezialität) reichen.




  So, dann wünsch i eich an Guaden.
Zum Woi!
Ich wünsche euch einen guten Appetit.
Zum Wohl!


Liebe Grüße
eure epipa


Teil II findest du hier.